creative walk: river isar route 1

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Schwierigkeitsgrad: leicht.

Die Isar ist der viertlängste Fluss Deutschlands. Sie erblickt das Licht der Welt in den österreichischen Alpen, begeht nach 295 km dann aber Fluss-Selbstmord und mündet in die Donau. Sie gräbt sich durch das Herz Münchens, wo ihr breites, steiniges Ufer die Großstädter zum Sonnenbaden einlädt. Tausende Jogger ziehen hier ihre Runden und machen sich in ihren neongrünen Sporthöschen komplett lächerlich, ganz besonders zu Beginn des Jahres.

Es gibt zahlreiche Strecken an der Isar, die sich für einen „creative walk“ und alle Schreibtischtäter unter uns eignen, die nicht ganz so gut in Form sind. Diese Strecke ist die leichteste von ihnen: die einzige wirkliche körperliche Herausforderung ist ihre Länge – mit 24 km zwar durchaus machbar, aber dennoch lang genug, um bei Freunden und Kollegen Eindruck zu schinden.

creative walk: river isar in the fog

The first foggy steps along the river Isar on the 1st day of 2016

Es ist der 1. Januar, wir sind früh ins Bett gegangen und werden jetzt diese altvertraute, nebelverhangene Strecke wandern und dabei Partyleichen aus der Silvesternacht, verkaterten Hundebesitzern und überambitionierten Mountainbikern begegnen.

Auf dem Hinweg bleiben wir am Westufer der Isar und wandern Richtung Süden. Man braucht etwa 7 km, um den Trubel der Stadt hinter sich zu lassen. Es sind aber großartige 7 km, auf denen es viel zu sehen gibt: Parks, Biergärten, Enten, den Zoo auf der gegenüberliegenden Seite und den Fluss, der Kilometer für Kilometer einfach wunderschön aussieht.

creative walk: river isar towards the zoo

Out there, somewhere in the fog, is where we’re going. Along the Isar towards Munich’s zoo.

Das Wasser ist kristallklar: dunkles Grün und Türkis umspült gestrandete Baumstümpfe, die bei den Überschwemmungen der letzten zehn Jahre flussabwärts getrieben worden sind.

Creative Walks: Isar Route 1

The mess of the floods and the colours of the river. 

In den ersten etwa 60 Minuten gibt es eine Vielzahl verschiedener Varianten für unsere Strecke. Am liebsten entscheide ich je nach Wetter und Dichte der Jogger, Nordic Walker und Mountainbiker, welchen Weg wir nehmen. Mountainbiker neigen zu einer gewissen Unfreundlichkeit: sie sind leicht aggressiv und verstehen einfach nicht, warum man andere Menschen nicht einfach über den Haufen fahren sollte, genauso wie sie es nicht verstehen, dass ein gutes Schutzblech durchaus dazu beitragen würde, dass sie nicht so aussehen, als hätten sie eine schlimme Magen-Darm-Grippe. Ich bin immer auf der Suche nach ruhigen Wegen mit möglichst wenig Lärm. Hier kann man einfach viel besser denken, die Landschaft genießen und gemeinsam produktiv sein.

Creative Walks: The River Isar with Großhesseloher bridge in the distance

The River Isar with Großhesseloher bridge in the distance

An der Großhesseloher Brücke fühlt es sich dann wirklich so an, als läge die Stadt hinter uns. Die Brücke ist groß, man überquert sie, wenn man mit dem Zug zu den Seen im Süden fährt. Hier angekommen hat man mehrere Möglichkeiten: man kann aufgeben und mit dem Zug nach Hause fahren oder auf der anderen Seite des Flusses zurück Richtung Norden wandern. Hinter dem steilen Anstieg am Westufer befindet sich ein Biergarten. Hinter dem steilen Anstieg am Ostufer liegt der Münchner Vorort Harlaching, und man merkt, dass man die Stadt eigentlich noch gar nicht verlassen hat.

Creative Walks: The River Isar just past the Großhesseloher bridge with the river split in two

Just past the Großhesseloher bridge with the river split in two

Wir gehen weiter, vorbei an einem irischen Kiosk. Ich habe mich schon oft gefragt, warum dieser Kiosk eigentlich irisch ist. Je weiter wir Richtung Süden kommen, desto weniger Menschen sind unterwegs und desto ruhiger wird es für uns. Der Fluss ist in zwei Hälften geteilt: die eine wird vorwiegend von bayerischen Party-Booten genutzt – große Kähne, die Platz für zwanzig Personen, eine Band mit allen Oktoberfest-Klassikern im Repertoire und jede Menge Bier bietet. Die andere kann man von dieser Seite aus nicht sehen, weil sie hinter dem hohen Damm liegt, der die beiden Teile voneinander trennt.

Das mit den Party-Booten ist eine merkwürdige Sache. Man hört sie schon von weitem, ihre Musik, die zwischen den hohen Klippen wie eine Art seltsamer bayerischer Soundtrack hin und her schallt. Sie klingt geradezu gespenstisch und ähnelt dem, was Tom Waits wohl fabrizieren würde, wenn er jemals hierher käme. Diese kleinen Dinge, die Musik, die stacheligen Pflanzen, spektakulären Wehre und verlassenen Gebäude, bieten interessante Ablenkung, was gut ist, weil wir so langsam unsere Beine spüren und unser Magen nach Nahrung verlangt.

Creative Walks: River Isar - East Bank

Everything looks a tiny bit English on this side of the river.

Etwa bei Kilometer 12 legen wir eine Rast ein und essen beim Brückenwirt. Anschließend überqueren wir die Isar und treten den Rückweg Richtung Norden entlang des Ostufers an. Erstaunlicherweise ist diese Seite des Flusses ganz anders: die bewaldeten Abschnitte erinnern irgendwie an englische Landschaften, der Fluss ist ganz natürlich und sieht ein bisschen gefährlicher aus.

Creative Walks: River Isar - East Bank

We’re staying down low, keeping to the river.

Auf dieser Seite haben wir mehrere Routenoptionen und können entscheiden, ob wir weit oberhalb des Wassers wandern möchten oder lieber unten am Flussufer bleiben (was ich bevorzuge). Dies ist der ruhigste Streckenabschnitt und man begegnet nur äußerst selten anderen Menschen. Es fällt schwer, zu glauben, dass wir uns eigentlich immer noch mitten in der Stadt befinden. Hier bin ich schon wie aus dem Nichts berittenen Cowboys über den Weg gelaufen. Der Weg ist streckenweise wegen Steinschlags gesperrt, was aber niemanden so richtig kümmert.

Creative Walks: River Isar - East Bank

I like walking in weather like this. Foggy, a bit wet and cold – lovely.

Wir haben nun 17 km geschafft und sind wieder an der großen alten Brücke angelangt. An dieser Stelle fällt mir immer wieder auf, dass so eine Rundwanderung Vor- und Nachteile hat. Was ich beispielsweise mag, ist der Perspektivwechsel, die Tatsache, dass ich mich physisch und mental in einem anderen Zustand befinde, wenn ich an den Ort zurückkehre, an dem ich vor ein paar Stunden erst gewesen bin. Andererseits kann dies auch ein wenig demotivierend sein, aber das ist nur eine Kopfsache, die man schnell überwinden kann, indem man einfach weiterläuft und die Wanderung genießt. Eine Sache, die ich über lange Wanderungen gelernt habe, ist, dass jammern nichts bringt.

Creative Walks: River Isar - East Bank

Sometimes it makes sense to turn around, and see how glorious your route has been.

Der Geruch der Ziegen im Zoo verrät uns, dass wir fast wieder zu Hause sind, aber ein kurzer Blick auf die Karte zeigt, dass wie noch 4 km vor uns haben. Nicht viel, aber mein müder Körper – die Schwachstelle meiner Wanderausrüstung – fängt an, sich zu beschweren und zu brennen. Wir ignorieren die Schmerzen einfach, halten durch und genießen dann sogar jeden einzelnen unserer letzten Schritte.

Es ist eine wunderschöne Wanderung und eine tolle Strecke, um produktiv zu sein.

Creative Walks: Stadtwald Rodgau

Schwierigkeit: Sehr Einfach.

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Weihnachten ist vorbei und Silvester steht mal wieder vor der Tür. Ich sitze hier, in der Küche meiner Schwiegereltern, und denke an die unfassbar schönen Wanderungen, die ich über Weihnachten mit meiner Frau im Stadtwald von Rodgau gemacht habe.

Creative Walks: Stadtwald Rodgau

Es ist ein Wald, der mir sehr viel bedeutet: nur ein Steinwurf von dort, wo meine Frau groß geworden ist, befindet sich der Rodgauer Stadtwald, der Ort, an dem ich die Idee zu Creative Walks hatte. Genau ein Jahr ist das jetzt her. Es ist ein unfassbar abwechslungsreicher Wald. Er ist groß genug um sich zu verlaufen: man kann Stundenlang wandern ohne jemand anderen zu sehen, jedoch ist er klein genug um kleinere Wanderungen zu machen, sollte man wenig Zeit oder Sehnsucht nach Zivilisation haben.

Creative Walks: Stadtwald Rodgau

Es gibt einen schönen Mix aus Forst- und wilden, privaten Wald-Abschnitten, die Wildschweine genügend Deckung geben um sich wie die Hasen zu vermehren und die Jäger zu nerven. Wenn man Glück hat und sehr ruhig ist, kann man sie auf der Jagd nach Würmern und Eicheln sehen.

Creative Walks: Stadtwald Rodgau

Spechte und Eichelhäher, Bussarde und Kohlmeisen bieten die musikalische Kulisse für die Wanderungen. Weite Teile des Waldes sind mit schönem grünem Moos und Heidekraut bedeckt. Herrlich.

Creative Walks: Stadtwald Rodgau

Was diese und viele andere ähnliche Wälder zu großartigen Orten für “creative walks” machen ist, dass das Gelände einfach zu laufen ist: es ist sehr flach: einfach kein Berg weit und breit. Das bedeutet, dass Sie sich voll auf das Projekt, das Sie mitgebracht haben, konzentrieren können. Ich arbeite hier an meinen eigenen Ideen und es ist möglich, Wanderungen von 8, 16 oder 25 Kilometern zu unternehmen: der perfekte Ort also, um über kleine, mittlere oder große Projekte / Ideen / Probleme nachzudenken und diese zu bearbeiten.

Creative Walks: Stadtwald Rodgau

Da ich Anfragen von anderen Teilen des Landes für Wanderungen habe, habe ich mich dazu beschlossen, diesen Wald als eine meiner buchbaren Strecken anzubieten.

Creative Walks: Stadtwald Rodgau

Also, wenn Du in der Frankfurter Gegend bist und keine Zeit dafür hast, einen Tag in den bayerischen Alpen zu verbringen, kannst Du mich jetzt in Süd-Hessen buchen.

Creative Walks: Lynton. Lynmouth. Devon.

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Wo Ideen sich zum sterben zurückziehen.

Ich hasse Büros. Ich hasse die architektonische, psychologische, politische und emotionale Beschaffenheit von Büros und ich empfand es schon immer als unglaublich schwierig, sich in diesen Muffbuden zu konzentrieren, zu fokussieren, geschweige denn darin fantastische Ideen zu entwickeln. Meine Verzweiflung über Büros lässt sich nur noch durch meine Abneigung gegen miefige Konferenz- und Meetingräume toppen. Kennst du diesen ganz bestimmten Geruch? Ja, wie soll ich ihn beschreiben? Es riecht nach Flipcharts, Moderationsmaterial und billigen Keksen, die ihr Verfallsdatum bereits seit Jahren überschritten haben. Kurzum es riecht nach purer Verzweiflung. Klingt trübsinnig? Ist es auch. Konferenzräume sind der Ort, an dem Ideen sich besonders gerne begraben lassen. Vielleicht sitzt du sogar selbst just in diesem Moment in einem und beäugst beunruhigt diesen gruseligen Raum, der dir die letzte Hoffnung auf Kreativität heraussaugen wird wie einer dieser Dementoren aus Harry Potter. Ist es nicht paradox? Eigentlich sollte das hier ja ein Raum sein, in dem du großartige Ideen und Ansätze entwickelst, die dich und dein Unternehmen besser, interessanter und erfolgreicher machen sollen. Doch statt dessen ist dies ein Ort, an dem dein Erfolg unter einem Schutt aus langweiligen Regeln, schalem Kaffee und nichtssagenden Bulletpoints gnadenlos begraben wird.

„Tagesgeschäftliche Ablenkung“ ist ein beklagenswertes Berufsrisiko

Es ist eine unangenehme Wahrheit, dass die meisten Vorgesetzten in deiner Organisation ihre kostbare Zeit für Meetings verschwenden. Also genau die Menschen, die eigentlich eine große Vision oder fantastische Produkte entwickeln oder ihre Mitarbeiter dabei inspirieren sollen noch großartiger zu werden. Diese Menschen leiden unter etwas, dass ich „Tagesgeschäftliche Ablenkung“ nenne. Dieser Vorgesetzte könntest du sein. Es ist doch mittlerweile fast unmöglich geworden einfach nur zusammen zu sitzen um in Ruhe über etwas Großes für dein Unternehmen nachzudenken, ohne dass man dabei von einer angeblich so superwichtigen Nachricht unterbrochen wird. Ich bin mir sicher, du hast es selbst schon tausend mal erlebt. Das Pingen und Plärren von eingehenden Mails, SMS oder Anrufen kann man ja noch irgendwie vermeiden, indem man den eigenen Computer oder das Smartphone einfach mal abschaltet. Doch die eigenen lieben Kollegen, die plötzlich wie von Zauberhand vor deinem Schreibtische apparieren, um nur eine(!) Minute mit dir zu reden (aus der dann meistens eine quälende halbe Stunde der Ablenkung wird) kannst du halt nicht einfach mal so abstellen, auf lautlos stellen oder komplett deinstallieren. Das alles ist natürlich ein ganz normaler Teil deines Arbeitsalltages. Ich denke wir müssen das am Ende auch einfach als unser Berufsrisiko in Kauf nehmen. Aber wenn du wirklich mal an etwas arbeiten willst, das unfassbar wichtig ist, dann ist diese Art von „Tagesgeschäftlicher Ablenkung“ sehr sehr schädlich für dich und damit auch für dein gesamtes Unternehmen.

Ein bißchen Geliehenes. Ein bißchen Neues.

Ich habe eine Lösung für dieses Problem entdeckt. Stell dir einen Paradigmenwechsel für deinen Schreibtisch vor. Es nennt sich: Steh auf und beweg deinen müden Körper aus dem Büro um auf Wanderschaft zu gehen. Wir wissen es im Grunde doch schon ewig: Körperliche Bewegung fördert unser Denken und unsere Kreativität. Die Universität von Stanford hat darüber kürzlich eine Studie unter der Überschrift „Give your Ideas Some Legs: The Positive Effect on Walking on Creative thinking“ veröffentlich, die aufzeigt, dass einfaches Laufen unsere Denkprozesse dramatisch erhöhen kann. Nicht umsonst titelt schon so manche Zeitung mit „Sitzen ist das neue Rauchen“. Die Idee sich zu bewegen statt im Büro herum zu sitzen ist also nicht wirklich neu. Es gibt eine lange Liste von klugen Menschen, die eine Wanderung dazu benutzten um ihre Probleme besser zu lösen. Steve Jobs tat das und Richard Branson tut es auch heute noch.

Creative Walks - Exmoor

Exmoor – Großbritannien.

Wirklich lange Wanderungen für wirklich große Ideen.

Wir unterscheiden bei Kreativitätsprozessen zwischen divergentem und konvergentem Denken. Divergentes Denken bedeutet, sich offen und experimentierfreudig mit einem Thema zu beschäftigen. Konvergentes Denken geht linear, konzentriert und logisch-rational vor. Die Stanford Studie gibt uns Auskunft über die Auswirkung von Bewegung auf unser konvergentes und divergentes Denken. Bereits bei kurzen 30-Minuten Wanderungen, sowohl an der frischen Luft wie auch auf dem Laufband, zeigte sich eine deutliche Erhöhung der konvergenten Aktivität (23% Steigerung des logischen Denkens) und eine überwältigende Steigerung der divergenten Denkprozesse (81% Steigerung des freien, kreativen Denkens). Ich selbst habe im Laufe meiner Wanderungen herausgefunden, dass gerade die langen Strecken exzellent dafür geeignet sind, auch wirklich großartige Ideen zu generieren.

Kurze Wanderungen sind ein „Proof of Concept“

Ich weiß, ich weiß, Dir einen ganzen Tag zu blocken um auf Wanderschaft zu gehen, fühlt sich sicherlich wie ein schwerwiegender Angriff auf deinen übervollen Terminkalender an. Aber ich sollte dich wohl auch daran erinnern, dass gerade dieses Ereignis in deinem Kalendar einer der wohl wichtigsten Arbeitstage deines Jahres sein wird. Ich verstehe vollkommen, dass es schwierig sein wird, deine Kollegen, deinen Chef oder dich selbst zu überzeugen diesen Schritt zu wagen. Also würde ich dir vorschlagen, zunächst ganz kurze Wanderungen als eine Art „Proof of Concept“ zu betrachten. Wie ich bereits erwähnte, sind kurze Wanderungen prima dazu geeignet, um einfache Ideen nach vorne zu treiben. Außerdem machen kurze Wanderungen deinen Kopf frei, bringen deine kreativen Säfte in Schwung und bereiten dich auf die lange Version der Wanderung vor – sofern du das in Betracht ziehst. Verlasse also deinen Schreibtisch für 30 läppische Minuten und geh eine Runde an der frischen Luft spazieren um vielleicht neue Perspektiven zu deinem Problem zu finden oder gar eine Lösung. Diese kurzen Ausflüge sind der perfekte Weg, dir, deinen Kollegen und Chefs zu beweisen, dass Wanderungen auch gleichzeitig gut für euer Geschäft sind. Das wäre dann der „Proof of Concept“.

Lyton - Großbritannien

Eine lange Wanderung belohnt Körper & Geist.

Wenn du deinem Büro erst einmal bewiesen hast, dass Wanderungen einen positiven Beitrag zu deiner Arbeit leisten, dann kannst du nun darüber nachdenken, auch mal auf große Wanderschaft zu gehen. Ich habe festgestellt: Je länger ich wandere, desto größer und besser werden am Ende meine Ideen, die ich dabei entwickle. Es ist ein unfassbar gutes Gefühl, ein Bein vor das andere zu setzen und Körper und Geist mit der umgebenden Natur verschmelzen zu lassen, um dann fast wie von allein ein ganz bestimmtes Problem zu lösen oder einfach nur die Gedanken frei umherschweifen zu lassen, um so eine bemerkenswerte Idee einzufangen. Ich bin immer wieder überrascht, wie fokussiert ich werde, sobald ich in meinen Wanderschuhen Stunde um Stunde, Kilometer um Kilometer an mir vorbeiziehen lasse. Wanderungen in der Natur, umgeben von Wäldern, Bergen, Flüssen und Seen ist sowieso schon ein bemerkenswertes Balsam für die Seele, aber solche Wanderungen ganz bewusst für den eigenen kreativen Prozess zu nutzen, kann wirklich ganz erstaunliche Ergebnisse zu Tage fördern. Der Duft des Waldes, das Rauschen der Blätter und Bäche, das Gezwitscher der Vögel, sowie die körperliche Anstrengungen von 30 Kilometern führt zu einem unglaublichen Zustand der Glückseligkeit, die deine Kreativität genau dahin lenkt, wo sie hin soll. Die Natur wird dich dazu inspirieren, dich selbst am Ende zu inspirieren. Vor kurzem habe ich den norwegischen Begriff „freiluftsliv“, also „Freiluftleben“, gehört. Er wurde von dem norwegischen Schriftsteller und Lyriker Henrik Ibsen geprägt und steht für eine poetische Zuflucht in eine Natur voller Abenteuer und Wunder.

Kreativität ist ein Prozess und eine Disziplin.

Was ist denn überhaupt Kreativität? Das Oxford English Dictionary beschreibt Kreativität wie folgt: “the use of imagniation or orginal ideas to create something”, also eine herrlich nüchterne und pragmatische Beschreibung für einen eigentlich äußerst wundervollen und magischen Moment. Ich war mal Kunststudent und musste während meines Studiums mich, meine Gedanken, Ideen und meine Werke wöchentlich vor allen anderen Studenten präsentieren – also eine Art „Jour-fixe“ von angehenden Künstlern, die wir “Crit” oder “Critique” nannten. Während diesen “Crits” musste ich meine intimen Gedankengänge offenbaren und meine “Sketch-Books” offen auf den Tisch legen: Kleine schwarze Bücher, vollgestopft mit Notizen, Kollagen und Ideen. Diese Offenlegung und Diskussion von Ideen, ausgeliehen aus dem Zeitalter der Renaissance, ist zugleich ein fabelhaft klarer Prozess um Ideen gemeinsam zu bändigen. Ich sehe es als eine mögliche Disziplin um Ideen zu schärfen und sie anderen vor allem verständlich zu vermitteln. Die Methode des „Crits“ nehmen wir einfach mit auf unseren Weg um am Ende auch die Qualität der entwickelten Ideen zu erhöhen.

Creative Walks

Die Planung der Wanderung

Meine Wanderungen können bis zu acht Stunden dauern. Ich habe festgestellt, dass eine Wanderung von dieser Länge mich förmlich dazu zwingt, eine Art Vertrag mit mir selbst einzugehen: Ich werde laufen und dabei arbeiten ohne jegliche Ablenkung oder Störung und zwar so lange, bis ich eine Lösung gefunden habe. So etwas will natürlich gut geplant sein. Ich habe zum Beispiel mal versucht die Strecke von München nach Hamburg zu laufen – (it went horribly wrong, I’m afraid) und ich wünschte, ich hätte damals schon gewußt, was ich heute über Wanderungen weiß. Hier sind ein paar einfache Tipps für euch, um ähnliche Katastrophen zu vermeiden:

1. Ein Tag. Ein Weg. Eine Aufgabe.
Wie so oft im Geschäft gilt auch hier: Was ist dein konkretes Ziel für die heutige Wanderung? Was willst Du erreichen? Möchtest du ein geschäftliches Problem lösen? Ein neues Produkt erfinden? Eine Kampagne entwickeln? Bitte nehme dir für einen Tag des Wanderns auch nur eine konkrete Aufgabe vor.

2. Der Weg muss deiner körperlichen Verfassung entsprechen.
Ich bin, Gott weiß, nicht das fitteste Lebewesen auf diesem Planeten. Ich würde sogar soweit gehen und sämtliche sportliche Aktivitäten als würdelos titulieren. Doch spazieren gehen oder wandern, hat für mich irgendwie Stil und ich betrachte es als eine Art “Gentleperson’s Sport”. Nein, Extremsportler bin ich wahrlich nicht und ich entscheide mich daher immer für Wege, die meiner persönlichen körperlichen Verfassung entsprechen. Das solltest du auch tun. Don’t be a hero.

3. Das richtige Equipment.
Du brauchst auf alle Fälle die richtigen Schuhe (Lass dich dabei bitte von echten Experten beraten). Du brauchst die richtigen, atmungsaktiven Klamotten. Ausreichend Essen und Trinken solltest du natürlich auch dabei haben sowie eine Landkarte. Und du brauchst was zu schreiben um deine großartigen Ideen auch zu Papier zu bringen.

4. Maximal drei Teilnehmer.
Wenn du unbedingt Gruppenarbeit machen willst, dann sucht euch einen schönen Platz im Wald und bleibt dort sitzen. Eine Wanderung mit mehr als drei Teilnehmern ist sehr schwer zu kontrollieren, da sich automatisch kleinere Gruppen bilden und wertvolle Ideen dabei vielleicht verloren gehen können.

Creative Walks - 4 Phasen

Wandern und Arbeiten.

Längere Wanderungen können erfahrungsgemäß in vier Phasen unterteilt werden. Die erste Phase ist furchtbar aufregend. Dein Hirn spielt verrückt, weil du gerade begreifst, dass du ja einen Arbeitstag mit Spazierengehen ohne jedwede Ablenkung verbringst. Du läufst zwangsläufig zu schnell und redest dabei zu viel. Es fühlt sich an wie ein Gewitter im Kopf. Später kommt das “Walkers-High”: Deine Augen und dein Verstand haben sich an die Wälder, Flüsse, Berge und Seen gewöhnt, du läufst langsamer, du redest weniger und du machst viel mehr Notizen. Dann gibt es eine Phase der Ideen-Jagd, bei der du unfassbar fokussiert sein wirst und die wirklich starken Ideen erscheinen wie aus dem Nichts. Am Ende gibt es den langen Weg nach Hause: Eine Phase der Dokumentation, der Konsolidierung und der Sortierung in starke und schwache Ideen.

Creative Walks

Post-Wanderungs-Trauma

Ich habe diese Wanderungen als “besten Arbeitstag aller Zeiten” beschrieben. Manchmal sitze ich nach so einer Wanderung in einem Wirtshaus, bin erschöpft aber glücklich und habe zum Teil Tränen in den Augen, weil diese Art zu arbeiten mich emotional, intellektuell und auch professionell berührt. Aber Vorsicht ist geboten: Mann oder Frau darf niemals vergessen, dass das gerade eben tatsächlich auch Arbeit war. Wir haben gemeinsame Lösungen gesucht und gefunden und wir haben damit etwas konkret Greifbares produziert. Es ist jetzt unglaublich wichtig deine Kollegen zu informieren und ihnen deine Ergebnisse zu präsentieren.

Deine heroische Rückkehr zum Arbeitsplatz.

Am nächsten Tag sitzt du wieder an deinem gewohnten Schreibtisch. Kaffeemaschine? Ist noch da. Photokopierer, Besprechungsraum und Klaus der Buchhalter? Jawohl, die sind alle auch noch da. Du spürst ein wenig Wehmut als deine Kollegen dich mit “wie war es da draußen?” begrüßen, aber als der Tag so vergeht, erlebst du plötzlich selbst, was die schlauen Stanford Professoren als “residual creative boost” beschrieben haben: Der Wandertag ist förmlich bei dir geblieben und beeinflusst von nun an deinen Arbeitsalltag. Deine Stimmung hat sich deutlich verbessert. Du bist vielleicht sogar ein besserer Vorgesetzter, Manager, Kollege und Partner. Du bist irgendwie glücklicher und es fällt dir auf, dass deine Ideen plötzlich viel besser werden. Doch nicht nur dir. Deine Kollegen, Chefs und Kunden wundern sich auch schon.

Creative Walks: Marcus John Henry Brown

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Ich lebe und arbeite seit 22 Jahren in Deutschland. Ich bin direkt nach meinem Studium hierher gekommen und habe hier sehr schnell auch beruflich Fuß gefasst und darf nun auf jede Menge interessanter Begegnungen, Aufgaben und Projekte zurückblicken. Ich habe unfassbar viel Erfahrungen sammeln können. Ich weiß mittlerweile sehr genau was ich beruflich machen möchte und was nicht. Letztes Jahr habe ich mich mit meiner eigenen Beratungsfirma selbstständig gemacht. Ein wirklich sehr großer Schritt für mich. Ein Schritt, der mich auch sehr viel Überwindung gekostet hat, sich jedoch mittlerweile als vollkommen richtig erwiesen hat. Auf meinem spannenden Weg habe ich gelernt eine eigenen Entscheidungen kritisch zu reflektieren und wenn es sein muss sie auch radikal neu zu treffen.

Konferenzräume sind viel zu erstickend.

Durch die tägliche Arbeit mit Kunden aus ganz verschiedenen Branchen ist mir jedes Mal aufgefallen, wie unkonzentriert die meisten Manager (ggf. Führungskräfte) eigentlich sind. Das ist in Anbetracht ihres kargen Büroalltags und der allgemein praktizierten Officekultur leider nahezu unumgänglich. Reportings und endlose zum Teil uneffiziente Meetings zerren an den Nerven der Menschen und letztlich auch an ihrem Verstand und vor allem an ihrer Kreativität. Endlich in einem beheizten und sauerstoffarmen Konferenzraum angekommen, sollen sie nun mit mir über interessante Ideen, erfolgreiche Kampagnen oder neue revolutionäre Produkte sprechen, während sie sich nebenher gegen ständig eingehende und sehr lästige Emails, Anrufe und Unterbrechungen von Mitarbeitern wehren müssen. Ich bemerke sehr oft, dass das Konferenz- oder Besprechungszimmer ursprünglich als kreativer und produktiver Freiraum konzipiert wurde, aber mittlerweile eher als Schutzraum vor Angst und Alltagserschöpfung verwendet wird – meist ohne Erfolg. Die Menschen freuen sich eigentlich über die anstehende Aufgabe, bekommen aber nie wirklich genug Ruhe oder Sauerstoff um es auch wirklich produktiv genießen zu können. Und genau das möchte ich ändern.

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Fokussierung statt Ablenkung.

Mein neues Produkt heißt “CreativeWalks”. Es soll Unternehmern und Entscheidern dabei helfen am Ende die besten Ideen zu finden und sie im Anschluss zu einer erfolgreichen Umsetzung zu führen. Ich möchte meine Kunden aus ihrem Büroalltag entführen und werde mit ihnen genau das tun, was eigentlich im geschützten Konferenzraum in Ruhe stattfinden sollte: Denken, spinnen, planen, träumem und sich für neue und ganz andere Möglichkeiten begeistern, ohne dabei ständig vom Tagesgeschäft brutal herausgerissen zu werden. Ich möchte mit ihnen einmal einen Gedanken in Ruhe zu Ende führen.

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In Richtung Ideen stapfen.

Vor einigen Jahren habe ich versucht von München nach Hamburg zu laufen um ein Gespräch mit Dr. Peter Figge zu führen. Damals ist das Abenteuer leider wegen einer Verletzung gescheitert. Aber ich habe mir damals auch geschworen es irgendwann wieder zu versuchen und es letztlich auch zu schaffen. Da ich letztes Jahr mit dem Rauchen aufgehört und ich dadurch zig Kilos zugenommen habe und ich eigentlich die meisten Sportarten grundsätzliches für entwürdigend betrachte, habe ich wieder mit dem Wandern begonnen und es wurde mir relativ schnell klar, dass das Laufen an der frischen Luft nicht nur meine angefutterten Kilos wieder schmelzen ließ, sondern dabei auch jede menge Ideen heraus flossen. Kurzum: Der Bauch wurde immer dünner und die Ideen immer fetter.

CreativeWalks.de - Working with artefactcards

Prozesse.

Langsam aber sicher wurde aus meinem “Einfach mal los laufen und dabei zufällig Ideen haben” ein richtiger Prozess. Jede Wanderung hat bestimmte Phasen – sowohl physisch als auch mental. Diese Phasen sollte man nicht nur wahrnehmen und respektieren, sondern man kann sie auch für sich nutzen um dabei richtig tolle Ideen zu entwickeln. Langsam aber sicher habe ich die Wanderung in meine eigene Arbeit für Kunden fest integriert. Die Ideen wurden dadurch einfach reichhaltiger und besser. Eben fetter.

CreativeWalks - Jochberg

Alpen statt Apps.

Über Weihnachten ist mir nun endgültig klar geworden, dass ich genau diesen Prozess als professionelle Beratungs-Dienstleistung anbieten möchte. Die Idee “CreativeWalks” nahm innerhalb weniger Tage konkrete Züge an. Ich habe fantastische Strecken erarbeitet und viele inspirierende Gespräche geführt und dabei sehr positives Feedback erhalten (Und ich habe meine Frau dabei vermutlich ziemlich in den Wahnsinn getrieben). Nun steht das Produkt endlich, es ist – wie man so schön in Deutschland sagt – marktreif und ist bereit benutzt zu werden: Unternehmer, Senior Manager, Agenturmitarbeiter oder Entrepreneure gehen mit mir gemeinsam auf Ideenjagd. So soll es sein. Damit bin ich nun offiziell ein Startup, allerdings mit Alpen statt mit Apps.

Ich bin wirklich gespannt wie ihr darüber denkt und freue mich sehr über Feedback.

Beste Grüße ihr Deutschsprachigen Internet Menschen,
Marcus